Bei den Bösen


Es gibt sie wirklich, «die Bösen». Und genau die wollte ich kennenlernen. Beim 112. Aargauer Kantonal Schwingfest in Aarau Rohr am letzten Sonntag.

Ganz allein war ich nicht - über 5000 Schwingfans füllten bereits morgens um 9 Uhr die Ränge auf den Tribünen. Die Stimmung war schon beim Einlass einmalig: Alphornbläser, Jodlergesänge, Fahnenschwinger... ein richtiges Schwingfest-Feeling.

Zugegeben, so richtig Ahnung vom Schwingen hatte ich nicht. Doch das sollte sich schnell ändern. Die Zuschauer um mich herum erklärten mir bereitwillig die Regeln und worauf es ankommt. Was ich gelernt habe:

  • Ein Kampf beim Schwingen nennt man «Gang» und dauert normalerweise 5 Minuten.

  • Sobald sich die Kämpfer in ihren Schwingerhosen gegenüberstehen, heisst es «Griff fassen». Wer den Gegner auf den Rücken werfen kann, hat gewonnen.

  • Die zwei Schwinger, die nach sieben Duellen die höchste Gesamtnote aufweisen, treten am Sonntagnachmittag im sogenannten Schlussgang gegeneinander an. Der Sieger wird Schwingerkönig.

Zugegeben, die Wettkämpfe sind spektakulär. Schon wenn die Schwinger mit ihren breiten Nacken, dicken Armen und kräftigen Schultern in den Ring stiegen, hielt ich den Atem an. Dann wuchteten sie einander in die Höhe, schleuderten sich gegenseitig durch die Luft, zerrten, rissen, drückten und zerpflügten das Sägemehl, bis einer gewann. Erst dann konnte ich wieder aufatmen.

Jetzt verstand ich auch, wieso sie «die Bösen» heissen. Wenn man diesen Kampf der Kolosse hautnah mitverfolgt, bekommt man einen Eindruck davon, warum die guten Schwinger als «böse» bezeichnet werden. Ein sehr guter Schwinger heisst sogar ein «ganz Böser».